Kölsch Jeföhl

„Mer han e Hätz för Kölle“

4 Uhr nachts in Sydney

24. April 2014
von Tobi
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In Sydney weht eine kölsche Fahne

Da sitze ich um 4 Uhr morgens alleine vorm Laptop. Brülle um 5 Uhr meinen Mitbewohner wach. Der legt sich nach besorgter Nachfrage wieder schlafen. Sitze um 6 Uhr immer noch alleine vorm Laptop. Ziehe mir jedes Bit kölscher Feierdaten rein, das ich im weiten Internet finden kann. Und weiß nicht wohin mit meiner Freude. Der Aufstieg war härter als Karneval!

4 Uhr nachts in Sydney

4 Uhr nachts in Sydney

Stundenlange Arbeit hatte ich in die Recherche nach einer Sportsbar gesteckt. Dabei habe ich festgestellt: Die Fußballübertragung in Australien hat in den letzten Jahren deutlich Boden gutgemacht. 2008 haben sich die Fuppesfans noch vergeblich abgesucht, um überhaupt mal ein Pub mit Soccer im Programm zu finden. Und dann gab es nur Premiere League. Heute überträgt der in vielen Sportsbars verfügbare Pay TV Sender Santana immerhin sechs Bundesligaspiele pro Spieltag. Aber die Google Suche „1. FC Köln Kneipe Sydney“ zeigt immer noch 0 Treffer. Da hab ich mir wohl echt die falsche Stadt ausgesucht. In Melbourne wehen immerhin kölsche Fahnen

Vergebliche Recherche

Vergebliche Recherche

Dort hatte ich die Tage vor der großen Auferstehung verbracht, um mich nochmal mit Philip zu treffen und Lloyds Verwandte zu besuchen. Melbourne ist nicht nur stadtbekannt bekannt für seinen FC Fan Marcus Korn, es ist auch die erste australische Stadt mit Atmosphäre, mit ein wenig Flair in der Luft. Ein Fluss läuft durch die Stadt, Bötchen schippern darauf, Björn Heuser Verschnitte ziehen Massen auf den Straßen an und vor allem: Straßenbahnen tuckern durch die belebten Wege!
Es ist schwer zu sagen, was Atmosphäre in einer Stadt ausmacht. Ganz sicher ist die Straßenbahn ganz oben dabei. Zwar hat Melbourne keine DUEWAG Achtachser, doch dafür kultige W, Z, A und B Class Wagen, die mit historischen Waggons befahrene, für Touristen (und Einheimische) kostenlos nutzbare Circle Line und das mit 245 Streckenkilometern größte Straßenbahnnetz der Welt! So ist die Stadt fast so bereisenswert wie das türkische Konya.

Straßenbahn in Melbourne

Straßenbahn in Melbourne

Damit man mich nicht falsch versteht: Melbourne hat Flair, Melbourne hat Charakter und Melbourne hat Straßenbahnen. Aber mit europäischen Kulturstädten sollte es sich besser nicht messen. Die FC Flagge aus dem Express habe ich auch nicht gesehen und so kam es, dass ich am Ostermontag wieder zurück in Sydney war.

Internationale Aufstiegskonferenz

Internationale Aufstiegskonferenz

Nach dem Spiel saß ich also alleine vor dem Laptop. Tja, hätte ich das Auslandssemester mal in zwei Jahren gemacht. Dann spielt der FC in der Champions League und ist in jedem australischen Pub zu sehen.
Wenige Stunden nach Abpfiff gab ich mir mit Mike und Andre in den USA und Nils in Kanada ein einsames Hangouts-Aufstiegsbierchen. Immerhin aus einer Kölsch Stange, die FC Hymne leicht im Hintergrund. Anschließend machte ich mich auf in die Stadt, lief im FC Shirt und mit kleinem FC Fläggchen durch die Straßen. Auch in Sydney weht eine kleine kölsche Fahne…

Canberra Marathon

15. April 2014
von Tobi
Keine Kommentare

Canberra Brewers, Kölsch und Marathon

Was habe ich meinen Vater ausgelacht, dass er sich zwischen Rom, London, Prag, Berlin, Marathon und New York gerade für Hannover als seinen nächsten Marathon Ort entschieden hat. So eine langweilige Stadt! Da kann doch nicht viel los sein. Und was mache ich? Laufe mit 1.400 anderen Läufern um 6:30 Uhr durch die menschenleeren Umlandsstraßen von Canberra…

Läuft man den Canberra Marathon, glaubt man nicht gerade, dass man den Marathon der Hauptstadt des sechstgrößten Landes der Erde bestreitet. Hatte ich eigentlich einen Stadtmarathon erwartet, führte die Strecke nach einer kurzen Parlamentsumrundung raus um die künstlich angelegten Seen durch die Pampa. Immerhin ein schöner Blick bei der endlich eintretenden Herbststimmung auf das stille Wasser. Aber wer jetzt angenehme Waldwege als Untergrund erwartet hat, tappt im Dunkeln: Statt diese zu nutzen, ging es auf einem abgesperrten Streifen der Autobahn aus der Stadt raus. Wer denkt sich so etwas aus?
Das Starterfeld war mit rund 1.400 Startern bescheiden klein und so hatte es sich nach vier Kilometern bereits so weit in die Länge gezogen wie sonst nach 30. Entsprechend hart war der Marathon: 42 Kilometer Teer, keine Zuschauer, kaum Mitstreiter.
Hinzu kamen Magenprobleme, offenbar waren die Nudeln um 4 Uhr nachts meinem Körper dann doch ein wenig zu früh. Kilometerlang hielt ich Ausschau nach einer Toilette, doch die Australier scheinen sehr verhalten zu sein, was das Wildpinkeln angeht: Das einzige Dixiklo auf den ersten 20 Kilometern führte eine Schlange mit der gefühlten Wartezeit einer kompletten Marathonbestreitung. Und das, wo der Lauf mitten durch die Pampa ging!
Also ging es für mich in den Wald, um mich zu erleichtern. Blätter als Toilettenpapier benutzt und endlich konnte ich normal laufen! Ab diesem Zeitpunkt war mein Ziel, endlich mal die 4:44:44 zu treffen, was ich nach meiner eigenen Zeitstoppung eiskalt traf (musste mich auf der Zielgerade nochmal kurz dehnen). Und dann rechnen die australischen Zeitmesser mir einfach zwei Sekunden drauf. Ganz großes Kino, jetzt muss ich die Zeit nochmal laufen…

Canberra Marathon

Canberra Marathon


Nichtsdestotrotz hat mir dieser Lauf ein geiles Wochenende eingebracht. Es sind die großartigen Couchsurfing Erfahrungen, die es ausmachen: Ich war bei den australischen Soldaten Michael und Shane untergekommen, die vor den Toren der Kleinstadt in einem riesigen Pampa-Haus wohnen, dort Hühner halten, riesige Pies backen, Bier brauen, ein Fitness Studio in der Garage pflegen und einen Raum für Couchsurfer zur Verfügung stellen. Hammer, wie die sich um einen kümmern! Am Freitag am Busbahnhof abgeholt, Samstag zum Startnummernabholen gefahren und am Sonntag um 5:45 Uhr aufgestanden, um mich zum Start zu bringen. Verdammt starker Service!
Als die beiden mich am Freitag abholten, war Michael ziemlich nervös. Wie sich herausstellte aus einem absolut nachvollziehbaren Grund: Er kommt aus Brisbane und ist demnach Fan des Football Teams der „Queensland Reds“. Sein Team spielte an diesem Abend ausgerechnet gegen den Hauptstadtclub „Brumbies“. So hatte ich mit meinem roten FC Pulli schnell Sympathien eingefahren und es ging vom Busbahnhof direkt ab zu Michaels Kumpels ins Pub zum Footballgucken.
Football gucken im Pub. Man sieht, wessen Team gerade gewinnt...

Football gucken im Pub. Man sieht, wessen Team gerade gewinnt…

In den australischen Pubs läuft rund um die Uhr Football auf den Fernsehern. In der Regel Wiederholungen, um die sich keiner schert und die deshalb eher nervig sind. Aber wenn man erst einmal in einer Gruppe so einem Spiel nachfiebert, kann man sich schnell von der unbekannten Sportart packen lassen. Und endlich konnte mir mal jemand die Regeln erklären (wenn ich auch bis jetzt nicht alle verstanden habe).
Leider haben am Ende die Reds das Spiel und Michael seine Laune verloren. Er schickte mich dann mit Shane nach Hause, um sich mit einem Mädel zu treffen, und ich durfte mir den Stolz des australischen Haushalts ansehen: Eine Motorsäge! Die Vorfreude, das Gerät vorzustellen, hat es einfach nicht zugelassen, damit auf den helllichten Tage und einen nüchternen Zustand zu warten. So schnitten wir in der Freitagnacht noch ein wenig Brennholz für den eintretenden Winter. Shane ist der klaren Meinung, dass ich mir zurück in Köln eine Motorsäge für den Balkon anschaffen muss, mit der ich nach den Brauhausbesuchen rumspielen kann. Sein Motto: „Every Australian must have a chain sawl.“
Every Australian must have a chain sawl

Every Australian must have a chain sawl

Und dann waren da noch die Canberra Brewers. Canberra scheint die australische Stadt der Hobby Bierbrauer zu sein: Nicht nur meine Couchsurfer probieren an eigenen Bieren herum, sondern rund 120 Hobbybrauer im besagten organisierten Club. Sie hatten mich durch einen ausführlichen Bericht über eine Brauhaustour durch die Kölner Altstadt beeindruckt und mich dazu bewegt, sie vor meinem Besuch in der Hauptstadt noch schnell zu kontaktieren. Leider hat es nicht mehr geklappt, eine Gruppe von ihnen zu treffen. Aber ihr Stamm Pub „Wig & Pen“ liegt direkt ums Eck vom Busbahnhof, sodass ich vor meiner Abreise zurück nach Sydney zum Mittagessen noch einen Abstecher in ihr Heimatlokal machen konnte. Serviert wurde unter anderem Brötchen mit Butter, Käse, Zwiebeln und Senf, was ja schon mal ein guter Ansatz ist…
Der Pub im britischen Stil ist ein absolutes Highlight Canberras. Verkauft werden rund elf verschiedene Fassbiere, alle in den Braukesseln im Hinterraum gebraut. Das Wig & Pen Pale Ale ist das mit Abstand leckerste Bier, das ich in Australien getrunken habe! Die Wände sind geschmückt mit zahlreichen Zertifikaten verschiedener Biermeisterschaften, Sammlungen unterschiedlichster Bieretiketten aus aller Welt und Poster, die auf ehemalige Brauerzeugnisse hinweisen. Darunter eines, das mit dem Slogan „make your preference..“ für „Kamberra Kölsch“ wirbt. Im Laden traf ich tatsächlich noch einen Jünger der Canberra Brewers. Er erzählte mir, dass auch dieses Bier jahrelang in den Hinterräumen gebraut und im Wig & Pen ausgeschenkt wurde. Es wurde schließlich aus dem Sortiment gestrichen, nachdem die Gruppe Hobbybrauer auf ihrer Brauhaustour durch Köln erfuhr, dass Kölsch ein regional geschützter Begriff ist. Das nenne ich mal Brauen mit Gewissen!
Zu Besuch bei den Canberra Brewers

Zu Besuch bei den Canberra Brewers

Aufziehendes Gewitter am Bondi Beach

28. März 2014
von Tobi
1 Kommentar

Australische Übertreibungen

Mittlerweile hat die Uni mich so sehr im Griff, dass ich gar nicht mehr zum Blogartikelschreiben komme. Ist aber auch nicht schlimm, denn mit Steffen hab ich in Sydney so ziemlich alles abgehakt, was es so zu tun gibt: Die üblichen Sehenswürdigkeiten in Form einer Fahrradtour, der Skywalk auf dem Westfield Tower, die Fähre zum Manly Beach, ein Regenworkout am vom Gewitter leergefegten Bondi Beach, das Olympische Dorf der Spiele 2000 und die berühmte Mittwochsparty im Beach Road Hotel. Nach all den Aktivitäten wage ich auch hier das Urteil: absolut überschätzt!
In Australien scheint es üblich zu sein, alles dreimal so hoch anzupreisen wie es eigentlich ist. Das gilt für Reiseführer, Veranstalter und Reisende gleichermaßen. Bestes Beispiel ist da der Skywalk: „Eine Klettertour über die Hochhäuser“, habe ich mir erzählen lassen. Was war es? Der höchste Turm der Stadt, auf den man mit einem Aufzug fährt und den man oben auf einem mit ganz gewöhnlichen Geländern gesicherten, rollstuhlgerechten Weg umrunden kann. Geile Aussicht auf die Stadt, viel zu sehen, gar keine Frage. Aber muss man sich dafür anketten, um einen durch Geländer abgesicherten Weg abzugehen? Muss man sich einen blauen Anzug anziehen, wenn man auf 300 Meter Höhe einen Spaziergang macht? Muss man sich davor Kinotrailer-Musik zur Spannungserzeugung anhören, bevor eine Klappe mit dem Zugang zum Weg geöffnet wird? In Australien muss man das. Muss ja spektakulär sein.

Blauer Skywalk Anzug

Skywalk: Wofür dieser Anzug??

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Karneval im Rhinedorf

9. März 2014
von Tobi
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Karneval in Sydney

Puh, die Woche, vor die ich die gröβte Furcht hatte, ist rum! Und sie war eine der besten!
Der Cider Carnival bei uns im Veedel war eine bunte Party, bei der den meisten Gästen Karneval unbekannt war. Mit unseren Kostümen fielen wir sofort auf und waren direkt Best Friends mit den paar anderen Kostümierten, meist Freunde der Belegschaft.
Für die Unkostümierten hatte sich das Regent Hotel eine feine Sache einfallen lassen: Eine professionelle Schminkerin zauberte Wunschbemalungen in die Gesichter, ein Luftballonbastler stellte die passenden Kopfbedeckungen her. Steffen und ich übernahmen schnell den Job, die Gäste auf diesen Service hinzuweisen und individuelle Schminkempfehlungen abzugeben, für die uns einige sehr dankbar waren.

Schminkdienst beim Cider Carnival

Schminkdienst beim Cider Carnival

Weiberfastnacht hingegen war eine sehr durchwachsene Angelegenheit. Weiterlesen →

Karneval em Veedel

23. Februar 2014
von Tobi
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Vorfreude auf die jecken Tage

Mittlerweile hat sich in Sydney ein Alltag etabliert. Über Gumtree habe ich ein WG Zimmer in einem Haus in Kensington gefunden, das nach sechs Wochen Backpacking puren Luxus bietet. Wir haben einen großen Garten mit dickem Grill und ein Wohnzimmer mit Bar und Partyanlage.

Unser Wohnzimmer

Unser Wohnzimmer

Mitbewohner sind eine Französin und seit vorgestern ein Australier, der hier richtig Leben in die Bude bringt und meinen Bierkonsum in die Höhe treibt. Ein Raum ist noch frei und bietet Platz für zwei weitere Mitbewohner, auf die wir derweil noch warten.

Mein Mitbewohner mit dem ersten Einkauf nach dem Einzug

Mein Mitbewohner mit dem ersten Einkauf nach dem Einzug

Unser Haus ist 6km vom Zentrum und der Uni entfernt. Zur Bewältigung dieser Distanz habe ich mir ein günstiges Fahrrad angeschafft, das mich Sydney ganz mobil erleben lässt. Es macht immer wieder Bock, durch die Straßen zu kurven. Das Fahrrad bleibt einfach das geilste Verkehrsmittel der Welt! Weiterlesen →