Heimat in Sicht!

Na endlich! Die geilste Tour, das großartigste Ziel, die schönsten Momente meines Auslandssemesters liegen vor mir: Die Rückkehr in die Heimat!

Wie lange habe ich darauf hingearbeitet? Schon 111 Tage vor Abflug hatte ich mir eine Playlist mit den schönsten kölschen Heimwehliedern erstellt: Un dann denk ich an Kölle, an die Minsche doheim“, „denn et Heimwieh nimm’s de met“. „Anjekumme, dat ben ich nie. Woss miestens nit, wat mich su drief“.

Ich bin begeistert, wie viele Lieder extra für mein Auslandssemester geschrieben zu sein scheinen. Die Momente mit meiner Playlist haben mir gezeigt, wie schön Heimweh sein kann. Es war eine der prägendsten Erfahrungen, in Sydney leise vor sich hin „ich möch zo Foß noh Kölle jonn“ zu singen. Als irgendwann der Paveier-Satz „dann schließ ich ming Aure un stelle mer vüür, ich jonn durch mieh Veedel“ fiel, fühlte ich mich fast ein wenig ertappt. Genau das hatte ich gerade getan.

Besonders groß wird das Heimweh bei den Anstoßzeiten der Fußball WM. Zwischen 2 und 11 Uhr ist alles dabei. Unmenschlich! Gänzlich unmöglich, einen einhaltbaren Schlafrhythmus aufzubauen. Mal geht man vor einem Spiel extra früh (versuchen zu) schlafen, mal bleibt man für dieselbe Anstoßzeit extra lange wach. Zusammengefasst ist das alles nix.

Entschädigung bietet es, wenn man mit 30 Deutschen pünktlich zum 5Uhr-Anpfiff beim frühesten Morgenbier aller Zeiten im Coogee Bay Hotel versammelt ist, um ein 2:2 gegen Ghana anzugucken. Die WM Erfahrungen in Australien sehr treffend formuliert hat Daniel, auf dessen Blog ich hier sehr gerne verweise.

Ansonsten werdet ihr mich sicher fragen, wie meine Klausuren gelaufen sind. Insgesamt ganz gut: Zur besseren Protokollierung werden hier Tischnummern zugewiesen und zweimal durfte ich an Tisch 11 schreiben! Gut, einmal war mir Tisch 78 zugewiesen worden, aber als ich in die Prüfungshalle kam und Tisch 11 in Reichweite frei herumstehen sah, hatte ich das ganz schnell vergessen und meine Konzentration darauf gelegt, den selbigen-Tisch-ansteuernden Chinesen frühzeitig zur Seite zu drängen und den Tisch zu erobern. Sollte es zu Problemen wegen der falschen Tischnummer kommen, wird die University of Technology Sydney für diese Situation sicherlich Verständnis haben.

Die Vorbereitung auf die Klausuren war mir hingegen nicht besonders einfach gemacht worden. Kurz vor Lernstart rief mich der auf Weltreise befindliche Diji aus Melbourne an, um mir mitzuteilen, drei Wochen vor Plan, also übermorgen, nach Sydney einzureisen. „Joa Jung, muss mal gucken, wie viel Zeit ich dann habe. Hab ja noch ein paar Klausuren.“ – „Ja, deshalb sag ich dir das frühzeitig, damit du dich darauf einstellen kannst.“

Tatsächlich habe ich mich über diesen frühzeitigen Besuch natürlich sehr gefreut. Gemeinsam durch die dreckigen WM-Spielzeiten quälen, am Meer laufen, 10er Fährentickets verfahren und überteuertes Bier trinken ist dann doch eine gelungene Alternative zum Schreibtisch. Ein paar Klausurpunkte wird es mir gekostet haben, aber die waren es wert.

Das gilt auch für die Whitsundays-Tour, die ich gemeinsam mit Lennart in der freien Woche zwischen letzter Vorlesung und erster Klausur nachgeholt habe. Diesmal galt der Regen nicht als Zyklon und das Boot konnte auf eine nasse Tour durch die weißen Sonntagsinseln aufbrechen. Den berühmten Whitehaven Beach durften wir gar bei Hagel genießen. Die im Reiseprogramm versprochenen 1,5 Stunden Aufenthalt wurden natürlich gnadenlos ohne Rückkehrmöglichkeit an Bord durchgezogen. Moment der Tour war für mich, als nach der absolvierten Pflicht-Strandzeit die Gruppe wieder versammelt war und eine unter einer vor dem Regen nicht schützenden Palme bibbernde Amerikanerin darum bat, nicht mehr zur Aussichtsplattform zu müssen. Selbstredend wurde dieser Wunsch abgewiesen. Du hast den Scheiß gebucht, jetzt werden die Zähne zusammengebissen! In Australien herrscht wenigstens noch Zug!

Untermalt wurde die dreitägige „Segeltour“ von rasanten Speedfahrten von Spot zu Spot. Da wurden die Vorzeigesegel eingezogen und der Motor volle Pulle aufgedreht, um dermaßen über die stürmische See zu brettern, dass die Hälfte der Passagiere seekrank wurde und die andere Hälfte nicht mehr machen konnte als sich an Masten festzuhalten und den Leidenden beim *Baalo* zuzusehen. Als wir nach drei Tagen von Deck gingen und uns in Facebook Fotos einer sonnigen Segeltour über die Mecklenburger Seenplatte zugespielt wurden, waren wir schon ein wenig neidisch…

Nach den Klausuren gab es noch eine Australienseite abzuhaken: Outback! Da es mir das nicht wert war, 800€ für eine geführte 3-Tages-Tour zum Touristenziel schlechthin, einen „Uluru“ genannten roten Stein, auszugeben, und Diji selbigen schon gesehen und als „ist ein roter Stein“ beschrieben hatte, mieteten wir uns für fünf Tage einen Camper Van und fuhren damit ins Land. Eine ganz nette Erfahrung, endlich mal abseits der Touristenroute: Am Straßenrand geben grüne Schilder die Distanz zur nächsten Ortschaft an, dreistellige Zahlen sind da keine Seltenheit. Sieht man in einer solchen Ortschaft eine Tankstelle, wird getankt. Man weiß ja nie, wann die nächste kommt.

Kamelsichtung im Outback

Kamelsichtung im Outback

Und sonst? Ein paar Kamele haben wir gesehen. Weiter im Land etwas roten Sand und ab und zu echte Fata Morganas, die uns das Meer vor Augen brachten. Den Rest kann man in etwa beschreiben als eine Fahrt durch das Emsland mit toten Kängurus am Straßenrand.
Die letzten beiden Tage haben wir bei unseren Rhinedorf-Karnevalsbekanntschaften Elena und Lena auf einem runtergekommenen Pampa Caravan Park im Umland der Stadt Toowoomba verbracht. Dort wurde wegen einer Baustelle das Signal des WM übertragenden Senders SBS über Nacht abgestellt, sodass wir nach stundenlangem Gequält-Wach-Bleiben um 2Uhr zum USA-Spiel vor einem No Signal-Fernseher saßen. Australisches Outback: Check!

Nach erfolgreicher Abgabe des Vans verbringen Diji und ich nun die letzten gemeinsamen Australien-Tage in Byron Bay, um noch ein paar schöne Strandläufe zu machen. Hier liege ich jetzt mit einem Block in einer sonnenbestrahlten Hängematte, schreibe diesen Artikel klassisch auf Papier und freue mich auf die Heimat. Ein bisschen ausruhen noch, dann werde ich mich meiner ungepackten Tasche widmen. Ich pack in un kumm zoröck…

Birlikte Podiumsdiskussion: Alle auf den Heiko

Podiumsdiskussion BirlikteNeben der öffentlichen Sitzung des NRW-Integrationsausschusses und natürlich der großen Abschlusskundgebung stand heute die Podiumsdiskussion im Depot des Schauspiel Köln auf dem Programm. Angekündigt waren:

  • Stefan Aust (Journalist und Autor des Quasi-Standardwerks über die RAF Der Baader-Meinhof-Komplex sowie Mitautor von Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie des NSU)
  • Mehmet Daimagüler (Anwalt der Nebenklage im NSU-Prozess, ehemaliges FDP-Mitglied, Unternehmensberater)
  • Anetta Kahane (Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung gegen Rechtsextremismus)
  • Abdulla Özkan (Opfer und Zeuge der Anschläge auf der Keupstraße).

Zusätzlich hatte im Vorfeld auch Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sein Erscheinen angekündigt. Etwas überraschend für einen Politiker, der vor der Wahl noch lautstark gegen gefühlt alles und jeden polterte, der auch nur entfernt mit dem NSU-Prozess befasst war; dabei gerne auch Regierung und Behörden kritisierte, als Kabinettsmitglied aber eine fast schon merkelhafte Zurückhaltung an den Tag legt. Immerhin – das war abzusehen - wurde mit Kritik an Verfassungsschutzbehörden und Strafverfolgern nicht gespart. Nun, um es kurz zu machen, es kam wie es kommen musste und Gabriel stellte überraschende “terminliche Schwierigkeiten” fest. Erschienen ist stattdessen Heiko Maas, Bundesjustizminister (ebenfalls SPD). (mehr …)

Wunderprächtig: Brückentag in der Linie 16

Eigentlich wollte ich schon länger mal wieder rumzumotzen ;-) - über KVB, Kölner Stadtverwaltung und was mir sonst noch gegen den Strich geht. Und jetzt? Ist Brückentag. Ich habe etwas länger geschlafen als sonst und stelle gegen viertel vor acht mein Fahrrad an der P+R-Haltestelle Heinrich-Lübke-Ufer ab.

Anzeigetafel-am-Heinrich-Lübke-UferDie neuen, digitalen, Anzeigetafeln stehen deutlich früher als erwartet und machen im Testbetrieb schon einen schicken Eindruck: Datum, Uhrzeit, die drei nächsten Bahnen und eine Infozeile. Das ist eine ganze Menge an Infos, insbesondere verglichen mit den zweizeiligen Vorgängern. Trotzdem bleibt alles übersichtlich. Dazu noch ein Knopf für die akustische Ausgabe dieser Infos, damit auch Sehbehinderte von den Informationen profitieren können. Gut, Live-Daten werden noch nicht gezeigt, aber ein paar Tage Testbetrieb seien auch HGK und KVB gegönnt. Eines ist aber wirklich erfreulich und für den geneigten Pendler auf der Strecke der altehrwürdigen Rheinuferbahn extrem ungewöhnlich: Die Bahn kommt zum einen sehr pünktlich und zum anderen gibt es noch einige Sitzplätze. Hierzu muss der Nicht-Pendler wissen:

  • Üblicherweise kommt die Linie 16 im Berufsverkehr wenige bis viele Minuten verspätet
  • Grundsätzlich sind die Bahnen überfüllt, nicht selten bleiben auch mal potentielle Fahrgäste auf die nächste Fahrt wartend zurück
  • Eine Ausnahme sind die Ferienzeiten: Hier verkehren die Bahnen regelmäßig ein bis zwei Minuten vor fahrplanmäßiger Abfahrtszeit
  • In jedem Fall ist Sitzen ab etwa Heinrich-Lübke-Ufer in Richtung Bonn nicht mehr möglich.

Und auf einmal kann ich sitzen und sogar mein Buch weiterlesen, ohne Taschen in die Fresse zu kriegen. (mehr …)

In Sydney weht eine kölsche Fahne

Da sitze ich um 4 Uhr morgens alleine vorm Laptop. Brülle um 5 Uhr meinen Mitbewohner wach. Der legt sich nach besorgter Nachfrage wieder schlafen. Sitze um 6 Uhr immer noch alleine vorm Laptop. Ziehe mir jedes Bit kölscher Feierdaten rein, das ich im weiten Internet finden kann. Und weiß nicht wohin mit meiner Freude. Der Aufstieg war härter als Karneval!

4 Uhr nachts in Sydney

4 Uhr nachts in Sydney

Stundenlange Arbeit hatte ich in die Recherche nach einer Sportsbar gesteckt. Dabei habe ich festgestellt: Die Fußballübertragung in Australien hat in den letzten Jahren deutlich Boden gutgemacht. 2008 haben sich die Fuppesfans noch vergeblich abgesucht, um überhaupt mal ein Pub mit Soccer im Programm zu finden. Und dann gab es nur Premiere League. Heute überträgt der in vielen Sportsbars verfügbare Pay TV Sender Santana immerhin sechs Bundesligaspiele pro Spieltag. (mehr …)

Canberra Brewers, Kölsch und Marathon

Was habe ich meinen Vater ausgelacht, dass er sich zwischen Rom, London, Prag, Berlin, Marathon und New York gerade für Hannover als seinen nächsten Marathon Ort entschieden hat. So eine langweilige Stadt! Da kann doch nicht viel los sein. Und was mache ich? Laufe mit 1.400 anderen Läufern um 6:30 Uhr durch die menschenleeren Umlandsstraßen von Canberra…

Läuft man den Canberra Marathon, glaubt man nicht gerade, dass man den Marathon der Hauptstadt des sechstgrößten Landes der Erde bestreitet. Hatte ich eigentlich einen Stadtmarathon erwartet, führte die Strecke nach einer kurzen Parlamentsumrundung raus um die künstlich angelegten Seen durch die Pampa. Immerhin ein schöner Blick bei der endlich eintretenden Herbststimmung auf das stille Wasser. Aber wer jetzt angenehme Waldwege als Untergrund erwartet hat, tappt im Dunkeln: Statt diese zu nutzen, ging es auf einem abgesperrten Streifen der Autobahn aus der Stadt raus. Wer denkt sich so etwas aus?
Das Starterfeld war mit rund 1.400 Startern bescheiden klein und so hatte es sich nach vier Kilometern bereits so weit in die Länge gezogen wie sonst nach 30. Entsprechend hart war der Marathon: 42 Kilometer Teer, keine Zuschauer, kaum Mitstreiter.
Hinzu kamen Magenprobleme, offenbar waren die Nudeln um 4 Uhr nachts meinem Körper dann doch ein wenig zu früh. Kilometerlang hielt ich Ausschau nach einer Toilette, doch die Australier scheinen sehr verhalten zu sein, was das Wildpinkeln angeht: Das einzige Dixiklo auf den ersten 20 Kilometern führte eine Schlange mit der gefühlten Wartezeit einer kompletten Marathonbestreitung. Und das, wo der Lauf mitten durch die Pampa ging! (mehr …)